Reuschbach,

ein Kurzportrait des Dorfes, seiner Gemarkung, seiner Umgebung und seiner Bürger

Am nordwestlichen Rande des Kreises Kaiserslautern liegt auf halber Höhe zwischen der saarländisch-pfälzischen Moorniederung und eines sich von Nordwesten her zur Moorniederung hin abdachenden Höhenzuges des Nordpfälzer Berglandes die Dorf-gemeinde Reuschbach. Seit seines Bestehens trägt der erst 310 Jahre alte Dorfflecken als Ortsbezeichnung den Namen jenes Baches, in dessen Quellgebiet die Siedlung einst von Einwanderern aus Tirol und der Schweiz gegründet wurde. Sicherlich nach dem ehemaligen Reichsland um Kaiserslautern benannt, dürfte Reuschbach wohl ,,Reichsbach" bedeuten. Der Ort selbst, der heute fast so viele Seelen wie Jahre zählt, schmiegt sich an den hangwärtsgerichteten Teil eines terrassenartigen und etwa ein Drittel des Gemarkungsareals ausmachenden Geländevorsprunges an. Diese nach Südosten orientierte und dem Sonnenbogen zugekehrte Hangterrasse wird vom Reuschbach wie auch von drei ihn begleitenden Bächlein zertalt. Diese vier Wasserläufe eilen geradewegs dem aus der Moorniederung kommenden und nach Westen fließenden Moorbach zu. Von West nach Ost aufgezählt, heißen diese Bächlein Sickelbach, Reuschbach, Elschbach und Inzenbach. Die beiden letzteren schließen sich außerhalb der Gemarkung Reuschbach zu einem Wasserlauf, dem Pfaffenbach, zusammen. Vom Talschluß des Reuschbaches in zwei nahezu spiegelgleiche Hälften geteilt, die beide jeweils über einen mehr oder weniger ausgeprägten Ortskem verfügen, lassen sich somit im Ortsbild zwei Ausgangzentren erkennen, welche die Dorfentwicklung beeinflußten. Einen farbenfrohen Blickfang bildend, haftet jeder der beiden schon seit vielen Generationen zusammengewachsenen Ortsteile einem der beiden, den Oberlauf des Reuschbaches begleitenden Talflanken an. Während der linkerhand des Reuschbaches gelegene Ortsschwerpunkt sich rühmen kann, eine Lageposition innezuhalten, die dem Mittelpunkt der Gemarkung entspricht, kann sein Gegenüber darauf stolz sei, den religiösen Mittelpunkt, also das Gotteshaus zu beherbergen. Die im Jahre 1959 zwischen Ortsrand und Friedhof errichtete und als Ersatz für eine in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft befindliche, kleinräumige Kapelle gedachte Dorfkirche bildet den südlichsten Eckpunkt des Dorfes. Ihr stämmiger Glockenturm, den man auch für den Zeiger einer überdimensionalen Sonnenuhr halten könnte, ist weithin sichtbar. Die Strahlen jedenfalls, die das Sonnengestirn dem Dorfflecken zuschickt, melden sich morgens zuerst und verabschieden sich abends zuletzt bei der mit einem Kreuz bekrönten Kirchturmspitze. Ihr attraktives Aussehen hat die Ortschaft aber nicht dem schlichten Kirchenneubau, der den Abriß der alten, als überflüssig erachteten Kapelle zur Folge hatte, zu verdanken, sondern der ansonsten recht liebevoll gepflegten alten Bausubstanz. Zusammen mit den blumengeschmückten Hausgrundstücken, Wegen, Ruhebänken und Kruzifixen erweckt dieses abseits der lärmummantelten Hauptverkehrsstraßen gelegene Dörfchen durchaus den Eindruck eines zum Quartiernehmen einladenden, geruhsamen Ortes. Gleich einer eigens für das Fernhalten hektischer Betriebsamkeit geschaffenen Barriere riegelt die waldbedeckte Hangzone der zertalten Geländeterrasse die Gemarkung Reuschbach gegen die ihr vorgelagerte Moorniederung ab. Im Hangbereich dieser stufig abfallenden Geländeform verläuft übrigens die Südostgrenze der Gemarkung, die sonderbarerweise zwei enorme Zickzacksprünge vollführt. Viel hitziger als bei den Streitigkeiten um die Grenzziehung und um die Nutzungsrechte in diesem von der natürlichen Vegetation, dem Wald, bedeckten Gebiet, ging es hier vor rund 270 Millionen Jahren auf der damals allerdings vollkommen anders strukturierten Erdkruste zu. Der Untergrund, auf dem dieser Wald hauptsächlich stockt, besteht nämlich aus Gesteinen, die sich aus einem feuerflüssigen Gesteinsbrei, der an der Erdoberfläche zur Erstarrung gelangte, bildeten. In dem restlichen Teil der Gemarkung, der, wenn man von wenigen kleinen Waldflecken einmal absieht, durchweg einer landwirtschaftlichen Nutzung unterliegt, wird der Gesteinsuntergrund ausschließlich von Sedimentsgesteinen aufgebaut, die ebenfalls Produkte des ausgehenden Erdaltertums darstellen. Im Gegensatz zum bereits erwähnten südöstlichen Gemarkungsrand zeichnen sich alle anderen Abschnitte der Gemarkungsgrenze durch einen mehr oder weniger geradlinigen Verlauf aus. So benutzte man ehedem nämlich zum einen die beiden äußersten der vier am eingangs genannten Bergkamm beginnenden Erosionsrinnen mit ihren nahezu schnurstracks hangabwänseilenden Bächlein und zum andern die dazwischengeschaltete Scheitelzone dieses sich zur Moomiederung hin abdachenden Höhenrückens, um den Bannkreis der Gemarkung festzulegen. Der höchste Punkt des Bergkammes, der Dietelsberg, dem sich die Gemarkungsgrenze bis auf wenige Dekameter nähert, überragt den Meeresspiegel um etwa 433 Meter und die Moorniederung um rund 200 Meter. Von der Wegverbindung aus, die seit Menschengedenken der Kammlinie dieses Höhenzuges folgt, bietet sich eine einzigartige Möglichkeit, den Blick über das umliegende, durch das Zusammentreffen dreier gegensätzlicher Landschaftsformen geprägte Gelände schweifen zu lassen. So breitet sich nördlich dieser uralten Wegetrasse, einer sturmgepeitschten Meeresoberfläche gleich, das Saar-Nahe-Bergland mit seinen großflächig angelegten Getümmel dichtaneinandergedrängter Bergkuppen aus. Hingegen endet nach Süden zu der Gesichtshorizont bereits an der jenseits der Moorniederung jäh ansteigenden Schichtstufe aus leuchtend rotem Buntsandstein. Diesen über die Moorniederung hinweg und auf deren majestätisch aufragende Südbegrenzung, also auf den steilen Anstieg zur Sickinger Höhe, gerichteten wunderschönen Ausblick können die Bürger von Reuschbach Tag für Tag genießen. Im übrigen sind die hier wohnenden Leute in einer Gegend beheimatet, in der die Erdkruste über bestimmte geometrische Regelmäßigkeiten verfügt. Solche verkörpernd, verlaufen nämlich der Stufenrand der Sickinger Höhe, der Riegel vulkanischen Gesteins am Süd rande der Gemarkung wie auch der Höhenzug, dem der Dietelsberg angehört, und nicht zuletzt die zentrale Längsachse des Nordpfälzer Berglandes einander parallel. Darüber hinaus haben im Bereich der Gemarkung Reuschbach, wie bereits angedeutet, vier Bäche ihre Täler ausgerechnet so in die Erdkruste eingetieft, daß diese Talzüge stets den gleichen Abstand zueinander einhalten und zur Scheitelhöhe des Dietelsberges wie auch zu dem vorgenannten Liniensystem lotrecht verlaufen. Nicht nur, was die Erdkruste angeht, sondern auch was das Dorf und seine Einwohner betrifft, ließen sich da und dort weitere Parallelen zu den Nachbarräumen entdecken bzw. ermitteln. Aber in bezug auf das ebenso rege wie auch vielgestaltige Vereinsleben, das von einer engagierten, weltoffenen, fleißigen, gottesfürchtigen und gastfreundlichen Dorfbevölkerung getragen und inspiriert wird, müßte man sicherlich weit in die Ferne schweifen, um Ähnlichem zu begegnen. Wer also dem Land und den Leuten im Quellgebiet des Reuschbaches einen Besuch abstattet, wird nicht nur unvergeßliche Landschaftseindrücke in sich aufnehmen und ein schmuckes, anheimelndes Dörfchen mit einem an alte Gebietszugehörigkeiten erinnernden Ortsnamen kennenlernen, sondem vor allem auch einen liebenswerten Menschenschlag vorfinden.

Beitrag von Herrn Karlheinz Schultheis